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Von Kirchtürmen und Minaretten

Dienstag, 3. November 2009, 14:05 Uhr, Aktualisiert 04.11.2009, 14:17 Uhr

Zwischen Kirchtürmen und Minaretten gibt es weit mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Am wichtigsten vielleicht: Theologisch sind die Anbauten der Gotteshäuser nicht von grosser Bedeutung. In der Geschichte waren Kirchtürme etwas umstrittener.

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Lange bevor es das Christentum und den Islam gab, verzierten einige Völker, etwa die Babylonier auf dem Gebiet des heutigen Iraks, ihre Tempelbauten mit Türmen. Gemäss der Überlieferung war Gott von der architektonischen Neuerung in dem alten Reich nicht angetan.

Als Strafe für den «Turmbau zu Babel», den der Schöpfer als anmassend empfand, sandte er laut der Bibel die grosse Sprachverwirrung über die Menschheit, die sich alsbald in alle Welt zerstreute. Die Existenz eines Turms zu Babylon aus dem 7. Jh. v. Chr. ist offenbar archäologisch nachgewiesen.

Die Christen deuteten nach Ansicht von Experten, die Babel-Erzählung im Alten Testament nicht als für sie gültige Kritik an Turmbauten.

Ab 400 bis 600 n.Chr. begannen Bauleute in Italien, die neu gewonnene Machtposition des jungen Christentums mit Türmen zu demonstrieren. Gleichzeitig handelte es sich in einer ersten Phase bei vielen Kirchtürmen auch um Funktionsbauten: Sie wurden als Wach- oder Leuchttürme genutzt.

Später trat der Protz-Charakter stärker in den Vordergrund, was dann doch Widerstand hervorrief. Die Zisterzienser etwa lösten sich im 11. Jahrhundert unter anderem deshalb vom Benediktiner-Orden, weil ihnen die Prachtentfaltung und Bautätigkeit in der berühmten Abtei Cluny im Burgund zu weit ging.

Die Minarette sind aus Sicht der Muslime dagegen unbedenklich, wie Patric Schaerer vom Orientalischen Seminar der Uni Zürich erklärt. Die Erzählung vom Turmbau zu Babel werde im Koran nur andeutungsweise erwähnt und spiele in der islamischen Tradition kaum eine Rolle.

An anderer Stelle sei allerdings von einem anmassend «grossen Bau» im Auftrag des Pharaos die Rede. Grundsätzlich ist im Islam gemäss Schaerer vor allem entscheidend, mit welcher inneren Einstellung etwas gemacht wird. Ein kleiner Bau kann also unter Umständen anmassender sein als ein grosser Turm.

Praktisch entstanden die islamischen Minarette im 7. Jahrhundert aus genau denselben Gründen wie die Kirchtürme: als weit herum sichtbare Machtsymbole, als Nutzbauten - und später vor allem als Plattformen, von denen aus die Gläubigen über die Zeiten der Gebete informiert wurden.

Unter den monotheistischen Weltreligionen verzichtet nur das Judentum weitgehend auf Türme. Es gebe allerdings «kein Bauprogramm auf theologischer Basis», sagt Ron Epstein, Autor eines Standardwerkes über Synagogen in der Schweiz. Vielmehr sei eine Synagoge ein eher «introvertiertes Bauwerk».

Nur in einer historischen Phase wurden einige Synagogen mit Türmen versehen: Während der jüdischen Emanzipation im 19. Jahrhundert, als vorübergehend einige Stilelemente christlicher Kirchen Verwendung fanden. Türme an Synagogen sind laut Epstein jedoch «wesensfremd» und - weil sie keine Funktion erfüllen - unpraktisch.

(sda/hues)

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H. bodenmann, kreuzlingen

Verfasst am: 8.11.2009 1:06

Notwendig

Die Kirchtürme,vorallem die Älteren sind... mehr

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M. Teh, Rheinfelden

Verfasst am: 6.11.2009 16:56

Ein Gläubiger ist nicht an einen Turm gebunden

Es stimmt soviel Kirchtürme wie Minarette sind... mehr

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