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Ulrich Tilgner: «Druck auf Christen wird steigen»

von Tobias Bühlmann
Montag, 30. November 2009, 14:35 Uhr, Aktualisiert 16:05 Uhr

Die Reaktionen aus der islamischen Welt auf das Minarett-Verbot in der Schweiz sind bisher eher verhalten. Die Nachricht wird aber durchaus verbreitet, wie SF-Nahost-Experte Ulrich Tilgner gegenüber «tagesschau.sf.tv» sagt. Er fürchtet, dass der Beschluss zu einem schleichenden Image-Verlust der Schweiz unter Muslimen führen könnte.

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Telefon-Interview mit Ulrich Tilgner

Die Gläubigen in der islamischen Welt nähmen die Nachricht sicherlich mit Enttäuschung auf, so Ulrich Tilgner im Interview mit «tagesschau.sf.tv». Er rechnet denn auch mit Reaktionen aus radikalen Kreisen: «Dort hat man sicherlich auf solche eine Entwicklung gewartet. Diese Kreise agitieren gegen den Westen. In der Zustimmung zur Initiative wird dann ein Beweis gesehen, dass die christliche Welt gegen den Islam mobil macht.»

Tilgner fürchtet, dass durch den Entscheid der Druck auf die Christen, der in der islamischen Welt ohnehin schon gross sei, weiter zunehmen könnte: «Viele Moslems werden sagen: ‹Wenn unsere Glaubensschwestern und –brüder in der Schweiz nicht so dürfen, wie sie gerne möchten, dann lassen wir die Christen hier auch nicht sich voll entfalten›.»

Die Reaktionen auf den Entschluss werden kaum spektakulär, sondern eher schleichend sein, so Tilgner. «Der Exodus der Christen aus der islamischen Welt könnte damit weiter beschleunigt wird.» Die Zahl der Christen habe sich in letzten Jahren im Irak, in Jordanien und generell im Mittleren Osten bereits halbiert. Und dies, nachdem der Anteil der Christen in diesem Teil der Welt über Jahrhunderte stabil geblieben sei.

«Der Image-Verlust für die Schweiz wird langfristig zu spüren sein.»
Ulrich Tilgner, SF-Nahost-Experte

Im Bezug auf die Schweiz spricht Tilgner von einem Prestige-Verlust: «Die Schweiz galt als neutrales Land, als Vermittlerin bei Konflikten. Die Schweiz hat ein grosses Ansehen, gerade im Orient. Und dieses Ansehen wird leiden». Mit direkten wirtschaftlichen oder politischen Sanktionen sei kaum zu rechnen, aber der Image-Verlust werde langfristig zu spüren sein. Die Anti-Minarett-Initiative werde jetzt immer wieder benutzt werden, um gegen die Schweiz zu polemisieren.

Er persönlich finde es schade, dass es zu dem Verbot gekommen ist, so Tilgner: «Ich sehe in Minaretten keinen Beweis für einen expandierenden Islam.» Es sei zwar dagegen, dass grosse Minarette gebaut werden, wenn das Geld aus unklaren Quellen, etwa von saudischen Fundamentalisten komme. «Aber wenn Gläubige sich auch ein kleines Minarett bauen wollen, dann finde ich es einfach falsch, wenn das nicht zugelassen wird.»

Kommentare aktiv...

D. Münger, Zürich

Verfasst am: 2.12.2009 21:39

Sie sind VERBLENDET!

Türkisch-Radikale Islamisten "Graue... mehr

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U. Keller, Klaeng

Verfasst am: 2.12.2009 20:26

erwachen

sie haben anscheinend den ganzen Abstimmungskampf... mehr

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L. Schweizer, Schaffhausen

Verfasst am: 2.12.2009 19:35

Wow

Das ist das beste, was ich seit langer Zeit... mehr

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