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Ferieninitiative: Gestritten wird über Zahlen, nicht Palmen

Dienstag, 14. Februar 2012, 16:20 Uhr

6 Wochen Ferien für alle: Dies fordert die Ferien-Initiative, über die Volk und Stände am 11. März abstimmen. Der Abstimmungskampf dreht sich um Kosten und Nutzen zusätzlicher Ferientage. Klar ist: im internationalen Vergleich arbeiten die Schweizer relativ viel.

Bild Eine Unzahl an leerer Strandkörbe. Eine Person mittendrin.
Das Parlament will individuelle Lösungen anstelle von generell 6 Wochen Ferien. keystone

Heute liegt der gesetzliche Anspruch bei 4 Wochen Ferien. Wer noch nicht 20 Jahre alt ist, hat 5 Wochen zugute. Viele Arbeitnehmende haben etwas mehr Ferien als gesetzlich vorgeschrieben ist: Der Durchschnitt liegt bei 5 Wochen.

Weniger Gesundheitskosten, mehr Familie

Der Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse verlangt nun mit seiner Initiative, dass das rechtliche Minimum auf 6 Wochen erhöht wird. Die Befürworter führen die gestiegene Belastung am Arbeitsplatz ins Feld. Immer weniger Menschen seien in der Lage, bis zum Pensionsalter zu arbeiten. Zunehmend fehle die Zeit für Erholung, Familie oder freiwilliges Engagement.

Mehr Ferien würden aus Sicht der Gewerkschaften und der linken Parteien Linderung bringen. Den Abstimmungskampf prägen indes nicht Plakate mit Palmen, Meer und Strand, sondern nackte Zahlen: Die Rede ist von Wochenstunden, Gesundheitskosten, Arbeitskosten.

Bei den Wochenarbeitsstunden sei die Schweiz international Spitzenreiterin, geben die Initianten zu bedenken. Tatsächlich steht die Schweiz im europäischen Vergleich nicht besonders gut da, wenn man alle Ferien und Feiertage zusammenzählt. Viele Länder gewähren deutlich mehr freie Tage.

Wie steht die Schweiz im Vergleich da?

Quelle: Mercer / zitiert nach: sechswochenferien.ch

Land Anzahl Ferien- und Feiertage
Finnland, Frankreich, Russland 40
Österreich, Malta 38
Griechenland 37
Grossbritannien, Polen, Schweden, Spanien 36
Norwegen, Luxemburg, Portugal 35
Tschechien, Lettland 32
Italien 31
Deutschland, Belgien, Rumänien 30
Schweiz, Irland 29

Weiter verweisen die Initianten auf die Folgen der gestiegenen Arbeitsbelastung. Rund zwei Drittel der Erwerbstätigen litten unter Stress, was Kosten von 10 Milliarden Franken pro Jahr verursache.

Die Umsetzung wird kosten

Die bürgerlichen Parteien und die Wirtschaft monieren ihrerseits, die Annahme der Initiative würde die bereits hohen Arbeitskosten weiter in die Höhe treiben. Dies schade der Wettbewerbsfähigkeit.

Dass die Umsetzung der Initiative etwas kosten würde, streiten auch die Gewerkschaften nicht ab. In ihren Augen übersteigt der Nutzen aber die Kosten, die auf 6 bis 7 Milliarden Franken beziffert werden. Konkret würde eine zusätzliche Ferienwoche den Arbeitgeber pro Arbeitnehmer bei einem Monatslohn von 4500 Franken rund 5 Franken pro Tag kosten.

Gar keine Entlastung mit mehr Ferien?

Die höheren Arbeitskosten entstehen jedoch nur dann, wenn die Arbeitgeber tatsächlich mehr Personal einstellen, um die längeren Ferienabwesenheiten zu kompensieren. Ob sie dies tun würden, wird von den Gegnern in Frage gestellt.

Der Bundesrat warnt davor, dass der Druck auf die Arbeitnehmenden steigen könnte, weil sie in weniger Zeit mehr leisten müssten, um ihre Arbeit zu verrichten. Die Initiative biete keine Gewähr für Entlastung.

Für jeden eine individuelle Lösung

Die heutige Ferienregelung habe sich bewährt, lautete der Tenor auch im Parlament. Sie ermögliche es den Sozialpartnern, massgeschneiderte Lösungen zu finden. Ein Zwang zu mehr Ferien würde den Spielraum einschränken, gezielt auf die Bedürfnisse einzugehen – etwa mit Lohnerhöhungen statt mehr Ferien.

Sagen Volk und Stände Ja zur Initiative von Travail Suisse, würde diese schrittweise umgesetzt. Im ersten Jahr nach Annahme hätten alle Arbeitnehmenden Anspruch auf mindestens 5 Wochen Ferien. In den darauffolgenden Jahren würde der Anspruch jährlich um einen Tag ansteigen, sodass nach 6 Jahren alle 6 Wochen Ferien hätten.

(sda/drs/frua/luek)

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