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Buchpreisbindung: Alle wollen nur das Beste für die Leser

Dienstag, 7. Februar 2012, 16:29 Uhr, Aktualisiert 11.02.2012, 14:20 Uhr

Am 11. März stimmt die Schweiz über die Bücherpreise ab. Das Volk soll in einer Referendumsabstimmung festlegen, ob die Bücherpreise weiterhin dem Markt überlassen oder ob sie wieder von den Verlagen festgesetzt werden sollen. Auffällig, ist: Gegner wie Befürworter behaupten, mit ihrer Lösung würden Bücher billiger.

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Seit 2007 gibt es in der Schweiz keine sogenannte Buchpreisbindung mehr. Buchhandlungen dürfen ihre Bücher so billig verkaufen, wie sie wollen. Was für Rüebli, Veloketten und Hairspray gilt, gilt auch für Bücher: Preisabsprachen sind nicht erlaubt. Der freie Markt soll’s richten.

Gar nicht glücklich mit dieser Neuerung sind die Schweizer Buchhändler und Verleger, die am 11. März für ein Ja zur Wiedereinführung der Buchpreisbindung werben. Sie warnen vor den längerfristigen Folgen: Die freie Preisgestaltung, so ihre Argumentation, führe letztlich zu einem Massensterben unter den kleinen Buchhandlungen. Als Beispiel führt etwa der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV) die Entwicklung in England an, wo die Preisgestaltung keinen Regeln unterworfen ist. Die Folge: In der Hälfte der Städte gibt es mittlerweile keine Buchhandlungen mehr.

Pro & Contra

Ja zur Buchpreisbindung sagen: EDU, CVP, EVP, Grüne, SP, Stiftung für Konsumentenschutz, Pro Litteris, Schweiz. Gewerkschaftsbund,  Schweiz. Buchhändler- und Verlegerverband, div. Autoren und Künstler

Nein zur Buchpreisbindung sagen: SVP, FDP, BDP, CVP, GLP, Piratenpartei, Schweiz. Gewerbeverband, Economiesuisse, Konsumentenforum

(Stand 11. Februar 2011)

Wie sich Billigpreise auswirken, ist aus anderen Branchen bestens bekannt. Buchdiscounter, wie etwa Ex-Libris, locken ihre Kunden mit Bestsellern zu Tiefpreisen in ihre Läden. Die Kunden kaufen den Bestseller – und vielleicht auf noch ein zweites oder drittes nicht verbilligtes Buch.

Das Nachsehen haben die kleinen Buchhandlungen, die dieselben Bestseller 20, 30 % teurer anbieten. Die Kunden bleiben weg, es kommt zu einem Buchladensterben.

Fixe Preise = Viele Buchhandlungen

Ob die angestrebte Wiedereinführung der Buchpreisbindung diese Tendenz aufhalten kann, ist jedoch umstritten. Die Buchhändler argumentieren, dank fixen Preisen werde es auch weiterhin Buchhandlungen (mit einer guten Beratung) ausserhalb der Zentren geben. Zudem helfe die Preisbindung, die kulturelle Vielfalt zu sichern. Denn Schweizer Verlage seien dadurch eher bereit und auch finanziell in der Lage, weniger bekannte Autorinnen und Autoren zu verlegen.

Und der Buchpreis? Laut Pro-Komitee «Ja zum Buch» sind seit Bestehen des freien Büchermarkts «nur wenige Bestseller zu Dumpingpreisen» verkauft worden. Für die «meisten Leserinnen und Leser ist der Preis für Bücher seit der Aufhebung der Preisbindung gestiegen». Mit der Buchpreisbindung würde sich dies ändern, sprich, die Masse der Bücher würde tendenziell billiger.

Preisbindung ist konsumentenfeindlich

Die Gegner des Referendums («Nein zur Buchpreisbindung») bezeichnen dagegen die Buchpreisbindung als «konsumfeindliches Preisdiktat», es würde ein staatliches Kartell geschaffen. Profiteure seien letztlich Grossverlage. Dazu komme, dass über  80 Prozent der Bücher aus dem Ausland importiert werden. Die von den Befürwortern angestrebte Kulturförderung könne somit nicht funktionieren. Abgesehen davon gebe es im Buchpreisbindungsgesetz keine Verpflichtung, dass die Verlage einen Anteil des Umsatzes den Autorinnen oder Autoren weiterleiten müssen. Letztlich sei eine Buchpreisbindung für die Buchhandlungen sogar schädlich. Denn da der private Bücherkauf übers Internet im Ausland davon nicht betroffen sei (über die entsprechende Gesetzes-Passage herrscht allerdings einige Verwirrung), würde damit regelrecht der Einkaufstourismus gefördert. Oder die Konsumenten wichen auf E-Books aus. Diese sind von der Buchpreisbindung ausgenommen.

Rennen um Buchpreisbindung völlig offen

Laut einer am 3. Februar 2012 veröffentlichten, repräsentativen SRG-Umfrage ist der Abstimmungskampf um die Buchpreisbindung noch nicht entschieden. In der Umfrage haben sich 48 % klar oder eher klar für die Vorlage und damit für die Wiedereinführung der Buchpreisbindung ausgesprochen. Auf der anderen Seite sind 39 % klar oder eher klar dagegen. 13 % waren noch unentschieden.

Facts & Figures

Der Schweizer Buchhandel hat 2011 einen Umsatz von 805 Mio. Franken erzielt (inkl. Online-Handel mit ausländischen Anbietern). Die Umsätze in den Deutschschweizer Buchhandlungen sind seit drei Jahren rückläufig. 2011 sanken die Umsätze gegenüber dem Vorjahr gemäss Hochrechnungen um 7,4 Prozent. In der Romandie sind die Umsatzrückgänge noch deutlicher.

Seit 2007 (Ende der Buchpreisbindung) ist die Zahl der Buchhandlungen in der Schweiz laut dem Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband um 14,5 Prozent zurückgegangen.

Gemäss den letzten verfügbaren Zahlen arbeiten in der Schweiz rund 3500 Personen im Buchhandel. 

In der Schweiz gibt ein Haushalt pro Jahr 294 Franken für Bücher aus. Bei einem Durchschnittspreis von 30 Franken kauft also ein Haushalt 8,3 Bücher pro Jahr.

Die Preise für Bücher haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich unterdurchschnittlich entwickelt. Zwischen 1983 und 2007 wurden Bücher lediglich 15 Prozent teurer. Die allgemeine Teuerung in der Schweiz betrug in derselben Periode 55 Prozent. 

In der Schweiz registriert die Nationalbibliothek jedes Jahr etwa 10‘000 neue Titel (2007: 11‘410). Darunter befinden sich jedoch auch Habilitationen, Dissertationen und Dorfgeschichten, die nie in den Buchhandel gelangen. Tatsächlich kommen jährlich etwa 5000 neue Titel in den Handel.

Mit Ausnahme Liechtensteins kennen alle Nachbarländer eine Buchpreisbindung. Diese gilt auch für den Handel übers Internet.

(sda/sf/vaid)

Kommentare aktiv...

M. Ynona, Bern
(M.Ynona Mann)
Verfasst am: 6.3.2012 21:34

NEIN zum Zwangsstaat, für ein freies Internet!

Nun, meine Generation kann bestens mit dem... mehr

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A. Bernet, St. Moritz
(Engadiner85 Mann)
Verfasst am: 29.2.2012 12:30

JA

Alle die weiterhin nicht nur Bestseller lesen... mehr

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R. Anderegg
(fb_100002325464633 Mann)
Verfasst am: 17.2.2012 23:02

Falscher Heimat- und Artenschutz

Hier wird wieder suggeriert von den... mehr

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